Gebietsreform

Der nachfolgende Rückblick wurde von Dr. P. Janz verfasst und stellt seinen Standpunkt zur Gebietsreform dar.

Rückblick 10 Jahre Gebietsreform

Wernsdorf vor 1989

Zu DDR-Zeiten war Wernsdorf eine Gemeinde in einer landschaftlich schönen Umgebung geprägt von vielen Seen, dem Großen Zug, dem Krossinsee, dem Wernsdorfer See, dem Seechen oder Seiken und dem Oder-Spree-Kanal, sowie weitläufigen Kiefernwäldern und Mischwaldbeständen. Wirtschaftlich beeinflusste eine LPG (Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft Tierproduktion), eine Kaserne der NVA in Ziegenhals, der Oder-Spree-Schifffahrtskanal mit der Schleuse, der Konsum, das Handwerk und viele Siedler, Sommergäste und Betriebsferienheime das Leben im Ort. Da in der DDR die materielle Basis insgesamt am Boden lag, war die Infrastruktur des Ortes wenig ausgeprägt und mangelhaft. Viele Bürger pendelten zur Arbeit nach Berlin. Der öffentliche Nahverkehr von Berlin-Schmöckwitz verkehrte regelmäßig und die Straße Richtung Berlin und die Landstraße (L 30) durch den Ort war gut befahrbar. An weiteren befestigten Straßen gab es nur die Storkower und die Jovestraße. Die Straßenbeleuchtung bestand in den größeren Straßen aus einzelnen Holzmasten mit daran „schaukelnden“ Lampenschirmen mit Glühlampen, ausgenommen die großen Peitschenlampen in der halben Dorfstraße, ansonsten fehlte eine Wegebeleuchtung vollständig. Der Ort war nur mit Strom erschlossen und mit einzelnen Telefonanschlüssen für Gewerbe und Sonderbedarfsträger. In den Nachbargemeinden war es ähnlich. Trotzdem herrschte zwischen den Bürgern des Ortes und den Sommergästen ein gutes freundschaftliches Verhältnis, man war es nicht anders gewohnt und Eigeninitiative, Organisationstalent und Solidarität schaffte insgesamt ein angenehmes Heimat verbundenes Lebensgefühl

Ein Neubeginn nach der Wende

Dann kam 1989/90 die Wende mit allen Veränderungen, die eine demokratische Umgestaltung des gesellschaftlichen Lebens und der freien Marktwirtschaft notwendig machen. Keine Kaserne mehr, keine LPG, kein Konsum, keine Ferienheime u.a.. Eine frei gewählte Gemeindevertretung mit einem Bürgermeister an der Spitze hatte jetzt die Chance, einen spürbaren Aufschwung im Dorf durchzusetzen. Es gab genügend Möglichkeiten über ausreichend angebotene Fördermittel sichtbare Verbesserungen zu erzielen. Aber es fehlten Flächen- und Bebauungspläne und es gab keine Initiativen diese fehlenden Unterlagen schnellstens zu Beauftragen und zu beschließen, um ordentlich agieren zu können. Eine fehlende Fachkompetenz und unnötige Reibereien zwischen den Gemeindevertretern brachten den Ort Wernsdorf nicht voran und führten im Gegenteil zu Fehlentscheidungen, die nur Geld gekostet haben und keinen Nutzen für unsere Dorfbewohner erbracht haben. So z.B. der Aufbau des so genannten „City-Marktes“ und das Projekt „Umgestaltung Kasernengelände“, wo es doch viele offensichtliche Probleme gab, die zu beseitigen für die Bürger viel eher von Vorteil gewesen wären. Nach zwei Wahlperioden, also nach 8 Jahren, war noch kein nennenswerter Durchbruch erzielt worden. Inzwischen hatten sich 6 Gemeinden zu dem Amt Unteres Dahmeland zusammengeschlossen bei erhalt der Planungs- und Finanzhoheit, so dass die technischen Abläufe jetzt professioneller abgewickelt werden konnten, aber wo nichts beschlossen wird und die Gemeindevertretung sich vom „Amt“ bevormunden lässt, da realisiert sich auch nichts. So muss man einschätzen, dass außer der Baumaßnahme „Erschließung des Ortes einschließlich Ortsteil Ziegenhals mit Trinkwasser und Abwasser“ mit den Bauphasen Planung und Beginn des ersten Bauabschnittes der Realisierung im Dorfkern wurden keine sichtbares Vorhaben auf den Weg gebracht.

Ein Umdenken in der Ortsentwicklung wurde notwendig

Mit den Wahlen 1998 konnten auf der Grundlage eines fairen Wahlkampfes die Grundlagen für eine neue Gemeindevertretung geschaffen werden. Der gewählte Bürgermeister Dr. Peter Janz erreichte mit seiner zehnköpfigen fachlich und politisch gut aufgestellten Gemeindevertretung gegenüber dem Amt Unteres Dahmeland, ein qualifiziertes Herangehen über die Verwendung der finanziellen Mittel des Ortes. Jetzt wurde mit dem Haushaltsplan effektiv gearbeitet. Einnahmen und Ausgaben, darunter alle Pflichtausgaben für Amt, Kreis, Kita, Schule, Feuerwehr u.a. wurden zunächst saldiert und über das zu erwartende positive Guthaben wurde jährlich unter Mitwirkung und Einbeziehung der Gemeindevertreter und der Bürger ein Maßnahmeplan durch den Bürgermeister vorgelegt und unter Beachtung von Korrekturen durch die Gemeindevertretung beschlossen. Von den Fachabteilungen des Amtes wurde nun erwartet, dass von Jahr zu Jahr die geforderten Investitionen realisiert, eventuelle Fördermittel beantragt wurden und vor den Gemeindevertretern in öffentlichen Sitzungen eine Rechenschaftslegung erfolgte. In den 5 Jahren bis 2003 wurden in Schritten viele Maßnahmen verwirklicht, die im Ergebnis aufzeigen, dass es in Wernsdorf für alle sichtbar deutlich voran ging und man schon von einem modernen Ort sprechen konnte, wo es sich gut wohnen und leben ließ.

- Abriss der ca. 30 Verkaufsbuden des City-Marktes und Neugestaltung des Dorfplatzes mit Ortsplan und Wanderwegekarte
- Umbau der alten Trafostation zum Traditionsturm als Ortskennzeichen und Schaffung von Parkflächen
- Begleitung der Baumaßnahme neue Straßenbrücke über den Wernsdorfer See in Richtung Berlin-Schmöckwitz
- Brückenneubau über den Wernsdorfer See nach Schmöckwitz l. alte Brücke mit Holzproviesorium 1999, r. Neubau 2000
- Jährlicher Aufbau von ca. 60 Straßenlaternen ( insgesamt über 300) zur Ausleuchtung aller Wege und Straßen im Ort ;
- Erstmalig Errichtung einer Toilettenanlage an der Badewiese am Krossinsee und Errichtung eines Waldparkplatzes für ca. 60 Pkw;
- Aufbau von überdachten Wartehäusern an allen Bushaltestellen einschließlich erhöhter Einstiegsflächen in den Bus;
- Ausbau der Schulstraße mit Rad- und Gehweg, Laternen, Buswendeschleife und Abzäunung gegenüber dem ehemaligen Kasernengelände;
- Historische Neugestaltung des Dorfkerns mit kompletter Rekonstruktion der Dorfkirche von 1803,
- Umbau der alten Schule von 1834 mit Arztpraxis, Büro und Sitzungsraum der Gemeindevertretung und des Bürgermeisters;
- Schaffung einer Aussichtsplattform zur Oder-Spree-Kanal Schleuse;
- Begleitung der Baumaßnahme Verlängerung der Schleusenkammer Nord von 65 auf 115 m;
- Erschließung des gesamten Ortes einschl. OT Ziegenhals mit Wasser/Abwasser, Gas, Telekom , Stromanschlüsse mit Erdkabel;
- Straßenausbau August-Bebel-Str., Straße Am Großen Zug, Crossinstr., Pappelweg, Dahlienweg, Haasestr. und
- planungstechnische Vorbereitung des Ausbaus der gesamten Dorfstraße;
- Wiederherstellung des Treidel-Wanderweges entlang dem Kanal und Wernsdorfer See mit Wiederaufbau von 2 Fußgängerbrücken,
- In Zusammenarbeit mit dem Landratsamt Lübben Herstellung von 3,5 km Dahme-Radweg von Ortseingang Ziegenhals bis Dorfplatz;
- Neubau der Dorfstraße mit Rad und Gehweg 2004;
- Kita "Kleine Pfefferkörner" erhält neue Fassade sowie neuen Eingangsbereich und neuen Sanitärtrakt;
- Am Badestrand wird eine neue Bushaltestelle errichtet;
- Der Aufbau von 2 Senioren-Pflegeheimen Am Großen Zug und am Krossinsee wird durch Landbereitstellung unterstützt und begleitet;
- Kauf eines neuen Feuerlöschfahrzeuges für die Freiwillige Feuerwehr des Ortes;
- Einsatz von 2 Gemeindearbeitern mit guter Technik für alle Aufgaben in der Gemeinde auf dem Gebiet der Ordnung und Sauberkeit und Winterdienst;
- Treidelweg am Oder-Spree-Kanal ohne und mit 2 Wanderwegebrücken
- Unterstützung aller Sportvereine und Gemeinschaften im Interesse der ständigen Verbesserung des dörflichen Zusammenlebens;
- Dahme-Radwanderweg Fertigstellung 2004
- Die Dorfstraße wurde entsprechend Projekt neu gestaltet mit Geh- und Radweg beidseitig. Neubepflanzung mit Bäumen und Rabatten;
- Neue Laternen wurden bis zur August-Bebel-Straße installiert, ebenso wurde die Straße Im Winkel neu gepflastert;
- Der Dorfplatz wurde als zentraler Blickfang neu mit Brunnen und Grünanlage sowie Parkplätzen gestaltet;
- Die Toilettenanlage an der Badewiese wurde durch ein modernes WC und behindertengerecht erneuert;
- Die Bushaltestelle an der Badewiese wurde durch einen Gehweg zum Seniorenheim erweitert;
- Der Straßenausbau in der Siedlung Ziegenhals wurde durch Pflasterung von 3 Wegen fortgesetzt;
- Das Sportlerheim wurde zu einem Treffpunkt für Sportler, Senioren und der Jugend umgestaltet;
- Der Ausbau der Friedhofstraße ist 2014 mit Anbindung an die Storkower Str. und an die August-Bebel-Str. fertiggestellt worden.
- Die Einbindung des Ortes an das schnelle Internet wurde 2013 abgeschlossen.

Wernsdorf als Ortsteil von Königs Wusterhausen

Die durch den Landtag beschlossene Gemeindegebietsreform stieß deshalb auf keine Zustimmung in Wernsdorf und wurde scharf als ein bürokratischer Akt und als nicht förderlich für das dörfliche Leben abgelehnt. Die vor dem Verfassungsgericht eingereichte Klage wurde zwar gewonnen, aber der Landtag „heilte“ seine Fehlentscheidung durch einen neuen Beschluss und setzt sich damit gegen die Bürger von Wernsdorf durch.
Auch der ehemalige Bürgermeister der Stadt Königs Wusterhausen betrieb sehr nachhaltig die Eingliederung der 6 Gemeinden des Amtes Unteres Dahmeland, weil sich damit die Einwohnerzahl der Stadt fast verdoppelte und das Territorium mehr als verdreifachte. Damit konnte die Stadt KW als „Großstadt“ im Landkreis auftreten und mehr Einfluss gewinnen. Die Befürchtung, dass nunmehr der Ort Wernsdorf erhebliche Einschnitte in der Investitionspolitik verspüren wird, traf nicht ein. Es kann festgestellt werden, dass der neue Bürgermeister Dr. Lutz Franzke, sicherlich auch unter dem Druck und der Einflussnahme des jetzt agierenden Ortsbeirates bereits gefasste übernommene Beschlüsse realisierte und neue Vorhaben in die Jahresplanungen aufnahm.

Trotz dieser erfreulichen Entwicklung kann nicht übersehen werden, dass die menschlichen Kontakte im Ortsteil rückläufig sind. Die Vereine und Gemeinschaften geben sich Mühe eine Verbundenheit zu den Bewohnern aufzubauen, die Resultate sind jedoch negativ. Die Wege zur Stadtverwaltung sind zu lang und für den Bürger unübersichtlich. Die weitere Entwicklung unseres Ortes und die Pflege und Erhaltung des Gemeineigentums ist sehr abhängig von der Kreativität der gewählten Ortsbeiratsmitglieder. Man kann davon ausgehen, dass Wernsdorf auch in den kommenden Jahren ein stabiles Steueraufkommen verzeichnen kann und deshalb weitere Verbesserungen zur Verschönerung und Modernisierung in die Stadtverordnetenversammlung einbringen sollte. Dazu gehört zum Beispiel eine neue Straßenbeleuchtung in der Storkower-Straße und in der Jovestraße, so wie eine Befestigung des Weges zum Parkplatz am Sportlerheim und der Zuwegung von der Dorfstraße zur Kirche bis zum Werder, wenigstens mit einem eingewalzten Recyclingmaterial. Der Wegeausbau in der Siedlung Ziegenhals ist schrittweise fort zu führen und der Uferweg von der Badewiese bis zum Sonnenweg verdient eine Verschönerung einschließlich Ruhepunkte für den Tourismus.

Da derzeit der Winterdienst völlig unbefriedigend ist, müssen Vorschläge zur Verbesserung dieser Situation erarbeitet werden. Es kann nicht sein, dass z.B. die moderne und gut besiedelte Crossinstraße mit Wendeschleife für Fahrzeuge der Abfallentsorgung nicht in den Winterdienst einbezogen ist.

Weitere Ideen sollten die Bürger an den Ortbeirat herantragen, damit sie nach Prüfung in die Jahrespläne eingearbeitet werden können.

Hinweis:

Ausführliche Informationen zur Geschichte und insbesondere zur Zeit bis zum Jahr 2003 können dem Vortrag von Herrn Dr. P. Janz vom 13. September 2014 entnommen werden.
Dr. Janz war von 1998 bis 2003 Bürgermeister der Gemeinde Wernsdorf.

Den Vortrag finden sie im Downloadbereich oder auf der Seite des Kirchbauvereins Wernsdorf.